Der Klimacheck ist da, die Lobau-Autobahn weg

1. Dezember 2021

Im vergangenen Jahr hat Klimaschutzministerin Leonore Gewessler eine Evaluierung des sogenannten ASFINAG-Bauprogramms beauftragt. Alle geplanten Autobahn-Neubauprojekte in Österreich wurden dabei auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft.
Neben bekannten Kriterien wie Verkehrssicherheit, Verkehrsplanung sowie von wirtschaftlichen und regionalen Bedürfnissen betrifft der Klimacheck ganz besonders den Klimaschutz und den Schutz unserer wertvollsten Böden. Was wir jetzt bauen, soll uns dabei helfen, die Klimaneutralität 2040 zu erreichen. Wir müssen Großprojekte auf diese Fragen überprüfen, und schauen, ob sie in Zukunft noch vernünftig sind.
Wenn wir heute falsche Entscheidungen treffen, werden nicht nur Milliarden an Steuergeld vergraben, sondern auch die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder verbaut.

Jetzt liegt wie geplant ein Ergebnis der Evaluierung vor.
Folgende Ergebnisse bringt die Evaluierung im Überblick:

  • Die Lobau-Autobahn mit ihrem Tunnel durch ein Naturschutzgebiet wird
    nicht weiterverfolgt.
  • Für den Nordabschnitt der S1 werden Alternativen geprüft, um den geänderten Anforderungen im Zusammenhang mit den Gerichtsentscheidungen zur S8 Folge zu tragen.
  • Die S34 wird nicht in der geplanten Form umgesetzt – gemeinsam mit dem Land Niederösterreich sollen bessere Alternativen erarbeitet werden, die die Bevölkerung vom Stau entlasten und wertvolle landwirtschaftliche Flächen erhalten.

Eine mutige und wichtige Entscheidung für’s Klima, für die Natur und für alle Menschen. Lasst uns bessere Lösungen planen und bauen. Unser Klimakampf geht weiter! 

DIE GESCHICHTE VON LOBAUAUTOBAHN UND STADTAUTOBAHN

Seit 1994 gegen die Lobauautobahn
Seit 2010 gegen die Stadtautobahn

Erste Ideen zur Querung der Donau auf Höhe der Lobau gab es in den 70er Jahren. Danach verschwand das Projekt in den Schubladen und tauchte erst wieder Mitte der Neunziger-Jahre auf.  Seit 1994 haben sämtliche bisherigen Bundesregierungen die Lobauautobahn vorangetrieben. Unter dem Vorwand, „bestehende Straßen zu entlasten“, entstand in den letzten Jahrzehnten ein Ring an Autobahnen um Wien. 

Die Lobauautobahn samt dem Lobautunnel durch das Naturschutzgebiet wäre aus Sicht der Betonierer aus der Steinzeit das letzte Puzzlestück, das – erraten – wiederum eine bestehende achtspurige Autobahn, die „Tangente“ „entlasten“ soll. Seit jeher bekämpfen die Grünen gemeinsam mit zahlreichen Umweltorganisationen das Wahnsinnsprojekt Lobauautobahn. 

Seit 2010 versucht die SPÖ Wien zusätzlich, die „Stadtautobahn Aspern“ durchzusetzen. Diese Autobahn, quer durch den 22. Bezirk macht nur als Zubringer zur Lobauautobahn und zum Lobautunnel Sinn. 

2016 erarbeiten die Grünen in der Wiener Stadtregierung Alternativen zum Lobautunnel. Führende Verkehrswissenschafter:innen fordern, statt neuer Autobahnen die öffentlichen Verkehrsmittel massiv auszubauen, besonders in der Donaustadt.

Solange die Grünen in der Wiener Stadtregierung waren, konnte der Bau der Stadtautobahn Aspern verhindert werden. Im Herbst 2021 fuhren die Bagger auf, doch sie mussten ihre Arbeit rasch wieder einstellen. Denn seither wird die Baustelle der Stadtautobahn von Aktivist:innen besetzt. NOBAU unterstützt diesen Protest. Im Frühling 2021 hat Umweltminsterin Leonore Gewessler einen Klimacheck für alle ASFINAG-Neubauprojekte angekündigt. Nun liegt dieses Ergebnis vor. Der Lobautunnel ist abgesagt.